Chance auf Wachstum
Mit „Girls Wanted in Rental“ setzt Assodimi ein klares Zeichen für mehr Vielfalt und Inklusion in der Mietbranche. Das Projekt verfolgt das Ziel, Frauen für den Sektor zu gewinnen, sie langfristig zu binden und ihre Kompetenzen sichtbar zu machen. Im Interview spricht Marco Prosperi, Direktor von Assodimi, über die Entstehung des Projekts, seine Ziele und die Chancen eines strukturellen Wandels in der Branche.

Herr Prosperi, worum geht es beim Projekt „Girls Wanted in Rental“?
„Girls Wanted in Rental“ ist ein ehrgeiziges Projekt, das Assodimi ab 2026 vorantreiben möchte. Das Projekt verfolgt ein doppeltes Ziel: Einerseits soll es Frauen für die Mietbranche gewinnen und langfristig binden, andererseits sollen weibliche Mitarbeiterinnen in Mietunternehmen gezielt gefördert und sichtbar gemacht werden, um diese Branche so inklusiv wie möglich zu gestalten.
Die italienische Mietbranche war bis vor einiger Zeit nahezu ausschließlich männlich geprägt. Seit einigen Jahren stellen wir jedoch mit Freude fest, dass immer mehr Frauen in Mietunternehmen tätig sind – auch in Schlüsselpositionen wie Mietleiterinnen oder Managerinnen. In einer historischen Phase wie dieser ist es einerseits wichtig, Frauen für die Mietbranche zu gewinnen – eine Branche, die seit Jahren stark wächst, aber Schwierigkeiten hat, Mitarbeitende zu finden – und andererseits weibliche Fachkräfte wertzuschätzen, die einzigartige Perspektiven und Kompetenzen in unseren Sektor einbringen.

Wie ist die Idee entstanden, dieses Projekt „Girls Wanted“ innerhalb von Assodimi zu unterstützen?
Assodimi ist ein unpolitischer Verband, der technische Unterstützung für alle vertretenen Unternehmen bietet. Seit ich Direktor bin, gehört es zu unseren zentralen Zielen, das Konzept der Zusammenarbeit als Grundpfeiler der Vereinigung für alle Stakeholder der Mietbranche zu verankern.
Bisher wurden keine wichtigen gesellschaftlichen Themen oder Initiativen definiert, denen man folgen wollte – aus verschiedenen Gründen, etwa aus Angst, missverstanden zu werden, jemanden zu „verletzen“ oder diese Themen nicht angemessen handhaben zu können. Zudem sollten solche Fragestellungen meiner Ansicht nach von den Mitgliedsunternehmen ausgehen und nicht von der Verbandsleitung.
In den letzten Jahren ist Assodimi jedoch stark gewachsen, auch in Bezug auf Reputation. Als Daniela Niederstätter Lorenzo Moretti und mir auf der bauma 2025 in München einen Flyer mit der schlichten Aufschrift „Girls“ zeigte und uns das Projekt erläuterte, war uns sofort klar, dass Assodimi solche Themen unterstützen sollte. Gleichzeitig stellten wir uns die Frage, wie wir damit umgehen können, da es sich um komplexe und sensible Themen handelt und die Gefahr besteht, sie banal oder zu vereinfachend zu behandeln. Daraus entstand mein starker Wille, etwas Greifbares und nicht nur Theoretisches zu schaffen.

Welche Bedeutung messen Sie der Aufwertung der weiblichen Präsenz in der Mietbranche bei?
Die Aufwertung der Präsenz von Mitarbeiterinnen in unserer Branche ist wichtig, da sie von den Unternehmen sowohl organisatorisch als auch praktisch ein Umdenken erfordert. Der Sektor beschäftigt – vermutlich aufgrund einer über Jahre gewachsenen, eingeschränkten Denkweise – noch überwiegend männliche Mitarbeitende. Die Öffnung gegenüber Frauen kann jedoch eine große Wachstumschance für die Branche darstellen, sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich.

Wie würden Sie die aktuelle Präsenz von Frauen in der Mietbranche in Italien beschreiben?
Die weibliche Präsenz in der Mietbranche ist derzeit noch sehr gering, und der Sektor wird weiterhin als wenig attraktiv und nahezu ausschließlich männlich wahrgenommen. In Mietunternehmen gibt es noch zu wenige Mitarbeiterinnen, meist nur in Bereichen wie Verwaltung, Front Office oder Marketing. Die größte Herausforderung für die nahe Zukunft besteht darin, auch andere Rollen für Frauen attraktiv zu machen. Wir hoffen, dass immer mehr Frauen Positionen als Technikerinnen, Fahrerinnen, Filialleiterinnen, Koordinatorinnen und Unternehmerinnen in der Mietbranche übernehmen werden.

Welche konkreten Maßnahmen hat Assodimi bereits umgesetzt oder geplant und welche Entwicklungen erwarten Sie vom Projekt „Girls Wanted in Rental“?
Assodimi/Assonolo hat bereits eine Arbeitsgruppe gegründet, die aus den Initiatorinnen des Projekts besteht und sich inzwischen um weitere Unternehmerinnen erweitert hat, die diese Idee mit Begeisterung unterstützen. In der ersten Phase des Projekts Girls Wanted in Rental wurden die Ziele und die ersten Schritte definiert. Das Projekt basiert auf drei grundlegenden Säulen: Sensibilisierung, Weiterbildung und Austausch. Daraus ergeben sich Programme für Unternehmen, um zu verstehen, wie eine inklusivere Mietbranche geschaffen werden kann, wie weibliche Kompetenzen besser wertgeschätzt werden können und wie eine entsprechende Kommunikation strukturiert werden sollte.
Wir erwarten eine breite Beteiligung der Mietunternehmen, die inzwischen reif sind, diesen Wandel aktiv mitzugestalten, zumal die European Rental Association das Projekt bereits in ihre Agenda aufgenommen hat.

Glauben Sie, dass Initiativen wie „Girls Wanted in Rental“ zu einem strukturellen Wandel des Arbeitsmarktes in der Mietbranche beitragen können?
Ich bin der Ansicht, dass es auch Aufgabe eines Verbandes wie Assodimi/Assonolo ist, den Fokus auf Themen der Inklusion zu lenken. Das Projekt „Girls Wanted in Rental“ kann eine Chance für einen Wandel in der gesamten Branche sein. Die Mietbranche ist aufgrund ihrer strukturellen Eigenschaften äußerst dynamisch und muss sich weiterentwickeln, um ihre Rolle im Markt zu behaupten. Daher sind Projekte und Initiativen wie diese sehr zu begrüßen, da sie Mietunternehmen dazu anregen, sich zu verändern, sich zu öffnen und inklusiver zu werden, um ihren Wachstumskurs fortsetzen zu können.

Interview: Sarah Meraner

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