âHaltung fĂŒhlbar machenâ
Seit einigen Jahren singt RocksĂ€ngerin Ina Pross nun bereits ĂŒber die Freiheit von Frauen. Mit dem Song âGirls Wantedâ, der im August 2025 erschienen ist, unterstĂŒtzt sie das gleichnamige Projekt von NiederstĂ€tter und Sher. Warum ihr das auch ein persönliches Anliegen ist, erzĂ€hlt sie in diesem Interview.
Ina, das Projekt âGirls Wantedâ steht fĂŒr âTalent Over Genderâ und will junge Frauen stĂ€rken. Wie siehst du deine Rolle als Musikerin in diesem Kontext des Empowerments?
Als KĂŒnstlerin, SĂ€ngerin und Songwriterin erlebe ich tĂ€glich, wie wichtig es als Frau ist, einen Raum zu haben, in dem man sich frei ausdrĂŒcken darf und in dem man fĂŒr sein Schaffen auch anerkannt wird. KreativitĂ€t kennt kein Geschlecht â sie entsteht aus Talent, Erfahrung, Emotion und Mut. Aus diesem Gedanken heraus ist der Song âGirls Wantedâ entstanden. âTalent Over Genderâ bedeutet fĂŒr mich Akzeptanz, Chancen und WertschĂ€tzung, die aufs Können basieren.
Das Projekt ist dir also ein Anliegen âŠ
Ja, es liegt mir sehr am Herzen, weil es Menschen â unabhĂ€ngig vom Geschlecht â Mut macht, an sich selbst zu glauben und ihren Weg zu gehen. Das Projekt schafft genau diesen Raum, in dem Menschen gesehen, gehört und bestĂ€rkt werden. Ich erfahre am eigenen Leib, wie man als Frau unterdrĂŒckt wird. Ich bin selbst Mama und gleichzeitig erfolgreiche Musikerin, was ich auch ausleben möchte. DafĂŒr werde ich aber sehr oft als Rabenmutter bezeichnet. Unter diesem GefĂŒhl, dass man als Frau/Mutter keinen Erfolg haben darf, leide ich stark. Aber genau dagegen kĂ€mpfe ich an â bis ich umfalle (lacht).
Von wem stammen diese VorwĂŒrfe meistens?
Es sind meistens Ă€ltere Menschen, von denen ich SprĂŒche höre wie âDu bist auch nie daheim.â Wenn ein Mann in der FrĂŒh aus dem Haus geht und abends dann noch was trinken oder zum Sport geht, dann wird das gesellschaftlich akzeptiert, aber wehe, du machst das als Frau. Ich finde aber: Im Leben braucht es auch einen gesunden Egoismus. Solange es den Kindern gut geht, muss man als Mutter nicht alles aufgeben. Umso mehr mĂŒssen wir Frauen zusammenhalten und uns wehren.
Ist der Song auf Anfrage von NiederstÀtter entstanden oder aus diesem Impuls heraus?
Ich habe das Lied aus diesen Erfahrungen heraus geschrieben, den Song gab es also schon vorher. Ich habe aber â nachdem mir Daniela NiederstĂ€tter vom Projekt erzĂ€hlt hat â Titel und Text etwas angepasst. âWe all can dream, we all can shineâ heiĂt es in dem Lied zum Beispiel: Wir alle sind jemand und es ist völlig egal, woher du kommst, wie alt du bist oder wie du ausschaust. Leben und leben lassen.Â
Musik ist fĂŒr mich immer eine Form, Haltung sichtbar und fĂŒhlbar zu machen. Mit âGirls Wantedâ möchte ich Menschen ermutigen, an sich zu glauben und ihren eigenen Wert zu erkennen. âTalent Over Genderâ ist ein GefĂŒhl, das ich durch meine Musik weitergeben möchte â und das sich stark mit den Werten des Projektes deckt.
Du hast eben davon gesprochen, dass Frauen mehr zusammenhalten sollten. Erlebst du in der Musikszene denn diesen Zusammenhalt?
Ich spĂŒre sehr viel Konkurrenzkampf in der Branche, den ich nicht verstehe. Ich höre seit einiger Zeit ganz oft Kommentare wie: âJetzt bist du nicht mehr die Nummer-1-Rock-Queen SĂŒdtirolsâ oder âJetzt hast du von Nina Duschek aber Konkurrenz bekommenâ. Solche Kommentare machen mich einfach traurig. Jede von uns SĂŒdtiroler SĂ€ngerinnen ist besonders und einzigartig, und es sollten nicht immer alle gegeneinander aufgehetzt werden. Aus diesem Gedanken heraus ist auch mein neuer Song âBetter Togetherâ entstanden, bei dem ich mit anderen groĂartigen SĂ€ngerinnen zusammengearbeitet habe.
Abgesehen von âGirls Wantedâ: Themen rund ums Frausein sind dir generell wichtig âŠ
Genau, es geht mir vor allem um die Freiheit von Frauen. 2023 habe ich meinen ersten eigenen Song âMighty Queenâ geschrieben â aus Respekt gegenĂŒber MĂŒttern und dafĂŒr, was sie alles schaffen. Mir geht es nicht darum, MĂ€nner abzuwerten, und es gibt auch immer eine Gegenseite. Aber meine persönlichen Erfahrungen und das, was ich groĂteils mitbekomme, zeigen, dass wir Frauen immer noch unterdrĂŒckt, immer noch fĂŒr alles, was wir tun, kritisiert werden. Dann gibt es noch meinen Song âLet me be freeâ, in dem ich sage: Lasst uns Frauen einfach frei sein, lasst uns in Ruhe. Und mit âBad women know betterâ habe ich allen ein bisschen den Mittelfinger gezeigt. Ich leiste durch Musik meinen Beitrag zum Thema Gleichberechtigung â ich finde, jede Kleinigkeit kann etwas bewegen. Die Leute brauchen auch konstant etwas, um darĂŒber nachzudenken.
Wie wurde âGirls Wantedâ vom Publikum bisher aufgenommen?
Ich wurde schon sehr viel auf den Song angesprochen, gerade auch von Seiten der Medien. Ich denke, dass die Menschen froh sind, dass das Thema Gleichstellung von jemandem angegangen wird. Manchmal werde ich aber als Kampffeministin oder Ăhnliches bezeichnet, was mich extrem stört, weil ich absolut nicht gegen MĂ€nner bin. Wenn ich das ausdrĂŒcklich sage, dann wird mein Tun eher akzeptiert.Â
Welches textliche Element aus dem Song ist dir besonders wichtig?
Da gibt es viele, hier ist mir alles gelungen. (lacht) Aber wenn ich einen auswĂ€hlen mĂŒsste, dann wĂ€re es vermutlich dieser:
âGirls wanted â here we are,
Each of us just as we are.â
Und warum dieser Satz? Weil wir alle ein Talent fĂŒr etwas haben. Also lass uns so sein, wie wir sind, und lass uns einfach machen, was wir gerne tun â denn dann machen wir es auch gut.
Interview: Sarah Meraner
